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Eine Aufsatzsammlung     
zusammengestellt von Hajo B. Belton, www.gesang.net    


Computereinsatz im Gesangunterricht 2
von Dr. Josef Pilaj


Immerhin kann auch der Computervergleich von klassischen Sängern und Popmusikern genutzt werden, um den Schülern Qualitätsbegriffe aufzuzeigen.

Zusammenfassend könnte man sagen, der Computer erleichtert beiden Parteien die Arbeit im Unterricht: Dem Schüler, weil er auch eine optische Lernhilfe zur Verfügung hat und er seine Fortschritte ständig überprüfen kann, was ja auch eine motivierende Wirkung hat, und dem Lehrer, weil seine Anweisungen und Theorien objektiv überprüfbar sind und so auch die oft schwierige Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler erleichtert wird. Der Computereinsatz führt zu einer Objektivierung der im Unterricht verwendeten Begriffe und verhindert Doppeldeutigkeiten und Ungenauigkeiten, die den Schüler, besonders wenn er schon mit mehreren Lehrern gearbeitet hat, verunsichern und behindern.

Die Bedeutung des Gesangslehrers wird aber durch den Computer nicht geschmälert, denn ohne Betreuung, würde der Schüler sein Ziel nicht erreichen. Der Computer zeigt lediglich "Werte" auf, ähnlich wie in der Medizin, der Arzt oder Gesangspädagoge aber hat die Aufgabe diese Werte zu nutzen und seine "Diagnose" damit zu begründen. Musik ist aber mehr als perfekte Stimmtechnik. Es braucht auch musikalische Gestaltung, Kreativität, Phantasie... Hier stößt der Computer an seine Grenzen. Der Lehrer kann ihn aber nützen seine eigenen menschlichen Grenzen zu überwinden - das Ergebnis nennt man Symbiose.

Abb.1: Teiltonspektren (rot) und überlagerte Formantkurve (blau) für einen ausgebildeten Sänger (oben) und einer Laienstimme (unten). Vokal [a:], Tonhöhe e. Die ersten drei Formantwerte (F1-F3) sind jeweils im Kasten rechts oben in den Abbildungen angegeben. Man erkennt, dass sich die ersten beiden Formanten beim Sänger und Laien kaum voneinander unterscheiden. Diese Resonanzen sind für die Vokalverständlichkeit verantwortlich. Der wesentliche Unterschied liegt beim 3. und 4. Formanten, die beim Sänger sehr nahe beieinander liegen, sodass sie als starke Resonanz wirken können (Formantcluster). Starke Resonanzen in diesem Bereich sind für die Tragfähigkeit und das metallene Timbre einer Stimme verantwortlich, man spricht daher von "Sängerformanten".

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