Stimmbildung.com     stimmbildung
Eine Aufsatzsammlung     
zusammengestellt von Hajo B. Belton, www.gesang.net    


Überblick über das Speech Level Singing 3
von Seth Riggs


Wenn man lernt, in dieser bequemen Speech-Level-Haltung beim Singen seinen Ton anzusetzen und zu halten, kann man mit derselben leicht zu erzeugenden Stimme, mit der man spricht (oder sprechen sollte), auch singen. Nichts wird sich im Hals oder im Mund anders anfühlen. Sowohl der Ton als auch die Wörter werden sich natürlich anfühlen und natürlich klingen.

Doch bitte Vorsicht! Speech Level Singing bedeutet nicht "Singen wie man spricht!"

Niemand sollte sich von Anfang an Gedanken über den Aufbau einer kräftigen Stimme machen. Die Fähigkeit, die Lautstärke der Stimme zu erhöhen, kommt von selbst, nachdem sich die Zusammen-arbeit der Stimmmuskeln gefestigt hat. Sobald die "Krücke", nämlich dass die äußeren Muskeln dabei helfen, die Stimmbänder an den Atemluftstrom anzupassen, nicht mehr vorhanden ist, werden die Stimmbänder ihre eigene unabhängige Kraft entwickeln.

Nach und nach werden die Stimmbänder in der Lage sein, mehr und mehr Luft in dem Schwingungsprozess zurückzuhalten, und schließlich dafür sorgen, dass einem die gesamte dynamische Flexibilität zur Verfügung steht, die man benötigt. In der Zwischenzeit - oder jederzeit in diesem Prozess - sollte man mit einer klaren, durchgängigen und leicht zu erzeugenden Stimme in seiner gesamten Stimmlage nur so laut singen, wie man es kann, ohne sein Speech Level zu verlassen.

Seine Stimme zu trainieren bedeutet, wie man sich leicht denken kann, zu lernen, die Muskeln in seinem Kehlkopf so zu koordinieren und zu kräftigen, dass man in der Speech-Level-Haltung in einem großen Ton- und Dynamikbereich singen kann. Koordination und Stärke lassen sich am einfachsten durch spezielle Übungen entwickeln. Man kontrolliert seine Stimme nicht direkt damit, indem man an ihr arbeitet oder über Atemhilfe, Stimmband-anpassung oder Resonanz nachdenkt. Dies sind alles Nebenprodukte des Speech Level Singing. Sie geschehen automatisch, wenn man seinen Kehlkopf dazu bringt, sich nicht zu bewegen, wenn man seinen Stimmbändern erlaubt, sich für höhere Töne dünner zu machen und zu verkürzen, um sicherzustellen, dass die äußeren Muskeln entspannt bleiben.

Wenn man die Übungen des Trainingsprogramms nach diesem Abschnitt durchführt, wird man sich die körperlichen Empfindungen einprägen, die man in seiner Stimme verspürt, wenn man jede einzelne Übung richtig durchführt. Alles andere ergibt sich von selbst.
Die Koordinierung der eigenen Stimme auf dem Speech Level muss sich entwickelt haben, bevor man damit beginnen kann, seine Stimme zu kräftigen. Wenn man die Übungen macht, sollte man beachten, dass man nicht laut singen muss. Das ist nicht wichtig. Versucht man, zu früh zu laut zu singen (und atmet dabei zu viel Luft ein), werden die äußeren Muskeln nie ihre Zug- und Spannreflexe aufgeben. Geduld ist wichtig. Zunächst muss man jegliche äußere Muskelaktivität, die beim Singen stört, aufgeben. Das befreit die Stimme und macht es folglich leichter, einfach und deutlich Wörter zu erzeugen.

Das Nerven-Muskel-System des eigenen Körpers ist aber möglicherweise durch jahrelanges schlechtes oder falsches Singen darauf programmiert gewesen, jeden möglichen Muskel zur Kontrolle der Stimme einzusetzen. Also versucht es, jeder angestrebten Veränderung der Muskelkoordination standzuhalten. Eine Zeit lang verspürt man vielleicht Spannung in den Muskeln unter dem Kiefer, im Hals, im Gaumen und im Gaumensegel. Solche Spannungen entstehen, wenn beim Singen die "falschen" Muskeln (die äußeren Muskeln) die Kontrolle nur widerwillig and die "richtigen" Muskeln (die Kehlkopfmuskeln) abgeben.

Man sollte nie versuchen, diese Spannungen zu umgehen, indem man zum Beispiel die Position seiner Zunge oder seines Kiefer verändert, sein Gaumensegel hebt, mehr Raum in seinem Hals schafft oder die Aussprache der Wörter verändert. Dabei erzeugt man nur noch mehr Spannung. Sobald man erst einmal erfolgreich sein Nerven-Muskel-System so umprogrammiert hat, dass es die eigene Stimme auf Speech Level akzeptiert, werden diese Spannungen automatisch verschwinden. Dann ist man in der Lage, entspannt zu singen, wobei die Stimme so arbeitet, dass man darüber nicht nachdenken und nichts dafür tun muss.

Beim Sprechen benutzt man nur eine begrenzte Tonhöhe und einen begrenzten Dynamikbereich, so dass nicht viel Spannung in den Stimmbändern erforderlich ist, um diese Töne zu erzeugen. Damit man die häufig beim Singen gewünschten höheren Töne und größeren Dynamikbereiche erzielen kann, müssen die Stimmbänder jedoch fähig sein, ein höheres Spannungsniveau aufzubauen. Wenn man einen höheren Ton singen möchte, ist es die stärkere Spannung in den Stimmbändern, die die Stimmbänder jedes Mal, nachdem sie auseinander gegangen sind, schneller wieder zusammenbringt. Wenn man einen Ton lauter singen möchte, ist es auch die stärkere Spannung in den Stimmbändern, die es ihnen ermöglicht, dieses zusätzliche bisschen mehr Luftdruck zurückzuhalten, bevor sie schließlich auseinander gehen.

Wenn die Stimmbänder und die anderen Muskeln im Kehlkopf nicht in der Lage sind, die nötige Spannung selbst aufzubauen, kommt es dazu, dass die äußeren Muskeln ihre Hilfe anbieten. Diese Art von Hilfe ist jedoch nicht erwünscht! Jede Form von äußerer Muskel-beteiligung am Schwingungsprozess führt nur zu Stimmproblemen, indem sie vom Speech Level wegführt.

Das Schwingen der Stimmbänder bestimmt die Anfangsqualität eines Tons, die Resonanz bestimmt die Endqualität - diejenige, die eine Stimme von jeder anderen unterscheidbar macht. Dieser Unterschied ist im Wesentlichen auf die Einzigartigkeit der Größe und Form des Resonanzsystems jedes Menschen zurückzuführen.

Copyright © SETH RIGGS
Vocal Therapy & Technique for Singing 460 South Las Palmas Avenue Los Angeles, California 90020 USA
www.sethriggs.com

Copyright 2001 -2014 © für die deutsche Übersetztung
Hajo B. Belton